Alle Beiträge

Website-Relaunch ohne Rankingverlust: unsere Liste zum Abarbeiten

Bei einem Relaunch geht selten das Design verloren, sondern die Adressen. Was wir beim Umzug unserer eigenen Seite abgearbeitet haben, welche Weiterleitungen fast immer vergessen werden und welchen Fehler wir trotz Liste eine Woche lang live hatten.

Eine Liste alter Adressen mit Pfeilen auf die neuen, jeder Pfeil mit 301 beschriftet, daneben der Titel des Beitrags

Wer über einen Relaunch spricht, spricht meist über das Aussehen. Verloren geht dabei etwas anderes: die Adressen. Jede Seite, die Google kennt, jeder Link aus einem Verzeichnis, jede Empfehlung in einer E-Mail zeigt auf eine Adresse, die es nach dem Umbau vielleicht nicht mehr gibt.

Wir haben diesen Umzug im Juli 2026 mit unserer eigenen Seite gemacht: raus aus WordPress, rein in ein neues System, neue Struktur, drei Sprachen statt anderthalb. Das hier ist die Liste, die wir dabei abgearbeitet haben, samt der einen Sache, die uns trotz Liste durchgerutscht ist.

Zuerst: die Bestandsaufnahme

Bevor irgendetwas gebaut wird, wird gezählt. Ohne diese Liste ist alles Weitere Raten.

Bei uns kam heraus: 14 erreichbare Seiten, davon 11 in der Sitemap. Und beim Durchsehen ein paar Dinge, die vorher niemand wusste.

Befund Anzahl
Seiten ohne Beschreibung für Suchmaschinen 10 von 14
Seiten ohne H1-Überschrift 3
Testseiten, öffentlich und in der Sitemap 2
Themenfremde Seite im Index 1
Seiten mit hreflang-Angabe 0, obwohl es eine spanische Fassung gab
Spanische Seiten mit lang="de" im Quelltext alle

Die beiden Testseiten und die themenfremde Seite waren jahrelang indexierbar, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre. Ein Relaunch ist der beste Zeitpunkt, so etwas zu finden, weil man ohnehin jede Adresse einmal anfasst.

So kommst du an deine eigene Liste:

  • sitemap.xml aufrufen und alle Adressen kopieren
  • in der Google Search Console unter „Seiten" die indexierten Adressen exportieren
  • in der Search Console die Seiten mit den meisten Klicks der letzten zwölf Monate exportieren
  • die drei Listen zusammenwerfen und Doppelte entfernen

Die dritte Liste ist die wichtigste. Sie sagt dir, welche Seiten wirklich Besucher bringen, und genau die dürfen beim Umbau nicht schlechter werden.

Die Zuordnung alt zu neu

Jetzt bekommt jede alte Adresse eine neue. Eine Tabelle mit zwei Spalten reicht, und es gibt genau vier Fälle.

Fall Was zu tun ist
Adresse bleibt gleich Nichts. Der beste Fall.
Inhalt zieht um 301 auf die neue Adresse
Inhalt geht in einer größeren Seite auf 301 auf diese Seite, nach Möglichkeit auf den Abschnitt
Inhalt entfällt ersatzlos 301 auf die thematisch nächste Seite, sonst 410

Weiterleitungen auf die Startseite sind der Notausgang, nicht die Regel. Wer alles pauschal dorthin schickt, sagt Google, dass keine dieser Seiten einen Nachfolger hat. Google behandelt solche Weiterleitungen oft wie einen 404. Besser ist die thematisch nächste Seite, auch wenn sie nur halb passt.

Bei uns behielten Startseite, Kontakt, Blog, Besprechung und die beiden Blogbeiträge ihre Adressen, ganz ohne Weiterleitung. Das war eine Entscheidung: Man kann eine Seite komplett neu bauen und die Adressen behalten.

Die Weiterleitungen, die fast immer fehlen

Hier liegt der Unterschied zwischen einer Liste aus der Sitemap und einer vollständigen Liste. Ein Redaktionssystem erzeugt Adressen, die nie jemand angelegt hat und die trotzdem im Index stehen.

Bei WordPress sind das:

  • Kategorieseiten, /category/webdesign/
  • Schlagwortseiten, /tag/…
  • Autorenseiten, /author/name/
  • Feeds, /feed/ und je Beitrag /beitrag/feed/
  • Die Suche, /?s=begriff
  • Anhangseiten, eine eigene Seite je hochgeladenem Bild
  • Dateien unter /wp-content/uploads/, die in E-Mails und Angeboten verlinkt sein können
  • Archive nach Datum, /2024/10/

Dazu kommt ein Detail, das leicht untergeht: der Schrägstrich am Ende. WordPress liefert Adressen standardmäßig mit / am Ende aus, viele andere Systeme ohne. /kontakt/ und /kontakt sind für einen Server zwei verschiedene Adressen. Wenn alle deine alten Adressen einen Schrägstrich hatten, müssen alle deine Weiterleitungen ihn ebenfalls treffen.

Dauerhaft weiterleiten mit 301

Google sagt es deutlich: dauerhafte Weiterleitungen, also 301 oder 308. Sie führen zu keinem Verlust an Bewertung.

302 bedeutet vorübergehend und sagt damit das Gegenteil: Die alte Adresse bleibt die maßgebliche, die neue ist nur ein Umweg auf Zeit. Für einen Relaunch ist das falsch.

Der Haken ist, dass viele Systeme in der Grundeinstellung 302 verwenden. Bei uns stand die Einstellung genau so, sie musste vor dem Umzug umgestellt werden. Prüfen kannst du es mit einer Zeile:

curl -s -o /dev/null -w '%{http_code} -> %{redirect_url}\n' https://deine-seite.de/alte-adresse/

Kommt dort 301 und die richtige Zieladresse, stimmt es. Kommt 302, such die Einstellung.

Ketten kurz halten. Google empfiehlt höchstens drei Weiterleitungen hintereinander und nennt fünf als Grenze. Ketten entstehen von selbst, wenn eine alte Regel aus einem früheren Umzug noch steht: alte Adresse zu Zwischenadresse zu neuer Adresse. Prüf deshalb mit curl -L -I, wie viele Sprünge tatsächlich stattfinden.

Was am Tag des Umzugs passiert

  1. Weiterleitungen scharf schalten und stichprobenartig prüfen, mindestens die zwanzig Adressen mit den meisten Klicks.
  2. Sperren entfernen. Das noindex aus der Bauphase und jeder Eintrag in der robots.txt, der die Baustelle geschützt hat. Google nennt das ausdrücklich als typischen Fehler nach einem Umzug, und es ist der teuerste: Die Seite ist live und für Google unsichtbar.
  3. Interne Links umschreiben. Alle Links, die auf eigene Seiten zeigen, bekommen die neue Adresse. Nicht die Weiterleitung arbeiten lassen. Google empfiehlt das ausdrücklich, weil es den Server entlastet und den Weg für Besucher kürzer macht.
  4. Neue Sitemap einreichen und die alte vorerst stehen lassen. Google empfiehlt beide. Über die Wochen fällt die Zahl der indexierten Adressen in der alten Sitemap auf null, während sie in der neuen steigt. Das ist die Fortschrittsanzeige.
  5. Canonical prüfen. Jede Seite soll auf sich selbst verweisen, mit der neuen Adresse.
  6. Alte Seite nicht abschalten. Wenn sie unter einer Ersatzadresse weiterläuft, gehört sie auf noindex, sonst konkurriert sie mit der neuen um dieselben Suchbegriffe. Wir haben unsere alte Fassung einen Tag nach dem Start abgeschaltet.

Das Tool zur Adressänderung in der Search Console brauchst du nur beim Wechsel der Domain, etwa von beispiel.de auf beispiel.com. Für neue Pfade innerhalb derselben Domain ist es nicht gedacht.

In den ersten Wochen

Google spricht bei kleinen und mittleren Websites von einigen Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind. Schwankungen in dieser Zeit sind normal und kein Grund, an den Weiterleitungen zu drehen.

Worauf du in dieser Zeit schaust:

Wo Worauf
Search Console, Seiten Steigt „Indexiert"? Tauchen neue Fehler auf?
Search Console, Leistung Klicks und Impressionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
Serverprotokoll oder 404-Bericht Welche alten Adressen laufen ins Leere?
Stichprobe von Hand Die zwanzig wichtigsten Adressen einmal wöchentlich

Der 404-Bericht ist dabei der ergiebigste. Er zeigt genau die Adressen, die deine Liste nicht hatte, und jede davon lässt sich nachträglich weiterleiten.

Der Fehler, den wir trotzdem hatten

Wir hatten eine Liste, wir hatten die Weiterleitungen, und trotzdem standen nach dem Umzug acht tote Links eine Woche lang live.

Die Ursache lag bei der Mehrsprachigkeit. Unsere englischen und spanischen Seiten liegen unter /en und /es, das System setzt dieses Präfix selbst vor jeden Link. In den übersetzten Beiträgen stand es zusätzlich von Hand im Text. Heraus kam /es/es/contacto, also ein 404.

Warum das eine Woche lang niemandem auffiel: Die deutschen Seiten waren fehlerfrei. Dort ist das Präfix leer, /kontakt bleibt /kontakt. Wer die Seite auf Deutsch durchklickt, und das tun wir alle bei der eigenen Seite, sieht den Fehler nie.

Die Gegenprobe ist seitdem eine Zeile, und sie muss leer bleiben:

grep -rnE '\]\(/(en|es)/' content/pages/

Die Lehre daraus ist allgemeiner als der Fall: Prüf die Sprache, die du selbst nicht benutzt. Und prüf nach dem Umzug einmal jeden internen Link maschinell, statt dich auf das eigene Durchklicken zu verlassen.

Die Liste in Kurzform

Vorher

  • Alle Adressen aus Sitemap, Search Console und Klickbericht zusammentragen
  • Jeder alten Adresse eine neue zuordnen, keine pauschale Weiterleitung auf die Startseite
  • Vom System erzeugte Adressen ergänzen: Kategorien, Schlagwörter, Autoren, Feeds, Suche, Anhänge
  • Schrägstrich am Ende beachten
  • Weiterleitungsart auf 301 stellen

Am Tag des Umzugs

  • Weiterleitungen scharf schalten und stichprobenartig prüfen
  • noindex und Sperren aus der robots.txt entfernen
  • Interne Links auf die neuen Adressen umschreiben
  • Neue Sitemap einreichen, alte vorerst stehen lassen
  • Canonical je Seite auf sich selbst
  • Alte Fassung abschalten oder auf noindex setzen

Danach

  • Wöchentlich in die Search Console sehen, mindestens acht Wochen
  • 404-Bericht auswerten und fehlende Weiterleitungen nachtragen
  • Weiterleitungsketten prüfen, höchstens drei Sprünge
  • Interne Links maschinell prüfen, auch in den Sprachen, die du selbst nicht liest
  • Weiterleitungen mindestens ein Jahr behalten, besser dauerhaft

Wenn ein Relaunch ansteht und du wissen willst, welche deiner Adressen dabei etwas zu verlieren haben: Schreib uns kurz. Wir gleichen Sitemap und Search Console ab und schicken dir die Liste der Adressen, die eine Weiterleitung brauchen.

Quellen

Stand dieses Beitrags

Seit der Veröffentlichung inhaltlich unverändert.

Häufige Fragen zum Relaunch

Verliert man beim Relaunch immer Rankings?

Nein, ein Relaunch lässt sich ohne Verlust fahren. Google sagt selbst, dass dauerhafte Weiterleitungen keinen Verlust an Bewertung verursachen. Was Sichtbarkeit kostet, sind fehlende oder falsche Weiterleitungen, Seiten ohne Nachfolger und Inhalte, die beim Umbau gekürzt wurden. Mit Schwankungen in den ersten Wochen ist trotzdem zu rechnen, weil Google jede Adresse neu abholen und einordnen muss.

Wie lange dauert es, bis Google die neuen Adressen zeigt?

Für eine kleine bis mittlere Website sind es laut Google einige Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind. Bei großen Seiten dauert es länger. Die Geschwindigkeit hängt an der Zahl der Adressen und daran, wie schnell dein Server antwortet. Eine eingereichte Sitemap beschleunigt das Auffinden, erzwingt aber nichts.

Muss es 301 sein, oder geht auch 302?

Für einen Relaunch gehört 301 hin, also die dauerhafte Weiterleitung. 302 bedeutet vorübergehend und sagt Google, dass die alte Adresse die maßgebliche bleibt. Viele Systeme leiten in der Grundeinstellung mit 302 weiter, deshalb lohnt der Blick in die Einstellung. Bei uns stand sie zunächst auf 302 und musste umgestellt werden.

Wie lange müssen die Weiterleitungen bestehen bleiben?

Google empfiehlt mindestens ein Jahr. Praktisch spricht wenig dagegen, sie dauerhaft zu behalten: Sie kosten nichts und fangen alte Links aus Verzeichnissen, Signaturen und E-Mails ab, die noch Jahre später angeklickt werden.

Wofür ist das Tool zur Adressänderung in der Search Console?

Nur für den Wechsel von einer Domain oder Subdomain auf eine andere, etwa von beispiel.de auf beispiel.com. Für einen Wechsel von http auf https, von www auf ohne www oder für neue Pfade innerhalb derselben Domain ist es nicht gedacht. In diesen Fällen reichen saubere Weiterleitungen.

Was ist der häufigste Fehler nach dem Umzug?

Eine Sperre, die für die Bauphase gedacht war und danach stehen bleibt. Ein noindex im Seitenkopf oder ein Eintrag in der robots.txt hält die Baustelle aus der Suche heraus und die fertige Seite genauso. Der zweite häufige Fehler sind interne Links, die weiter auf die alten Adressen zeigen und dadurch jeden Aufruf über eine Weiterleitung schicken.